Psychische Probleme bei Männern werden häufig als stille Krise beschrieben, da viele Belastungen unbemerkt bleiben. Gleichzeitig stehen Männer unter Druck, stets gefasst und souverän zu wirken. Der Men’s Mental Health Check-In Report von LiveCareer zeigt, dass fast 8 von 10 Männern (78 %) Stress, Burnout oder psychische Belastungen am Arbeitsplatz verschwiegen haben, um stark oder professionell zu wirken. Die Umfrage unter 700 berufstätigen Männern in den USA ergab außerdem, dass 84 % der Meinung sind, von Männern werde erwartet, „die Zähne zusammenzubeißen“ und psychische Probleme am Arbeitsplatz nicht zu zeigen. 

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Erwartungen am Arbeitsplatz fördern das Schweigen: 78 % haben Stress, Burnout oder psychische Belastungen am Arbeitsplatz verschwiegen, um stark oder professionell zu wirken.
  • Druck, „die Zähne zusammenzubeißen“: 84 % glauben, dass von Männern erwartet wird, psychische Probleme am Arbeitsplatz nicht zu zeigen.
  • Fehlende Gespräche mit Vorgesetzten: 52 % geben an, dass sich ihre Führungskraft im vergangenen Jahr nicht nach ihrem psychischen Wohlbefinden erkundigt hat.
  • Hoher Preis für die Arbeitskultur: 65 % haben erwogen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, oder ihn tatsächlich verlassen, weil sich die Arbeit negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat. 29 % haben deshalb tatsächlich gekündigt.
  • Angst, offen darüber zu sprechen: 34 % nennen die Angst vor Verurteilung oder Stigmatisierung als Hindernis, Unterstützung zu suchen. 32 % befürchten negative Auswirkungen auf ihre Karriere.

Männer verbergen ihre Belastungen am Arbeitsplatz

Für viele Männer bedeutet stark oder professionell zu wirken, Stress, Burnout oder psychische Belastungen für sich zu behalten. Fast 8 von 10 Männern (78 %) geben an, solche Belastungen am Arbeitsplatz zumindest gelegentlich verheimlicht zu haben. Auf die Frage, wie häufig sie dies getan haben, um stark oder professionell zu wirken, antworteten sie wie folgt:

  • Ständig: 24 %
  • Gelegentlich: 54 %
  • Nie: 22 %

Was das bedeutet: Wenn Männer sich durch die Arbeitskultur unter Druck gesetzt fühlen, ihre Belastungen zu verbergen, bemerken Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte möglicherweise kaum, dass sie Unterstützung benötigen. 

Die Arbeitskultur normalisiert schädliche Erwartungen

Mehr als 8 von 10 Männern (84 %) sind der Meinung, dass von ihnen erwartet wird, „die Zähne zusammenzubeißen“ und psychische Probleme am Arbeitsplatz nicht zu zeigen. Wenn die Mehrheit diese Erwartung wahrnimmt, deutet das darauf hin, dass sich problematische kulturelle Normen am Arbeitsplatz fest etabliert haben.

Was das bedeutet: Wenn Männer nicht erleben, dass andere offen über ihre Belastungen sprechen, nehmen sie möglicherweise an, dass psychische Probleme am Arbeitsplatz ein Tabuthema sind. Dieses Schweigen kann den Eindruck verstärken, dass sie ihre Probleme unbedingt allein bewältigen und „die Zähne zusammenbeißen“ müssen. 

Die meisten Führungskräfte erkundigen sich nie nach dem Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden

Wenn Führungskräfte psychische Gesundheit nicht priorisieren und sich nicht nach dem Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden erkundigen, verstärken sie eine Atmosphäre, in der psychische Belastungen unausgesprochen bleiben. Mehr als die Hälfte der Männer (52 %) geben an, dass sich ihre Führungskraft im vergangenen Jahr kein einziges Mal nach ihrem Stresslevel oder ihrem psychischen Wohlbefinden erkundigt hat.

Auf die Frage, wie häufig sich ihre Führungskraft nach ihrem Wohlbefinden erkundigt hatte, antworteten die Befragten wie folgt:

  • Nie: 52 %
  • Ein paar Mal: 28 %
  • Einmal: 10 %
  • Häufig: 10 %

Was das bedeutet: Wenn sich eine Führungskraft nach dem Wohlbefinden eines Mitarbeitenden erkundigt, kann das ein Gespräch ermöglichen, das dieser möglicherweise nur schwer selbst beginnen würde. Bleiben solche Gespräche aus, wird eine wichtige Chance verpasst, Probleme frühzeitig zu erkennen. 

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz erreichen einen kritischen Punkt

Wenn ein Unternehmen die psychische Gesundheit seiner Mitarbeitenden nicht unterstützt, suchen Männer möglicherweise nach einem gesünderen Arbeitsumfeld, anstatt darauf zu warten, dass sich die Bedingungen ändern. Fast zwei Drittel (65 %) haben bereits erwogen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, oder tatsächlich gekündigt, weil sich die Arbeit negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat.

  • 36 % haben erwogen zu kündigen, sind aber geblieben.
  • 29 % haben ihren Arbeitsplatz verlassen, weil sich die Arbeit negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat.
  • 35 % haben aus diesem Grund nicht über eine Kündigung nachgedacht.

Was das bedeutet: Wenn psychische Belastungen unbeachtet bleiben, kann sich das negativ auf die Mitarbeiterbindung auswirken. Noch schwerer wiegt jedoch, dass Stress, Ängste und andere psychische Probleme Männer auch zu ihrer nächsten Stelle begleiten können. 

Warum Männer zögern, Unterstützung zu suchen

Männer stehen vor verschiedenen Hindernissen, wenn es darum geht, psychische Probleme am Arbeitsplatz anzusprechen oder Unterstützung zu suchen. Häufig spielen der Wunsch, mit Belastungen allein fertigzuwerden, sowie die Angst vor Verurteilung, beruflichen Nachteilen und mangelnder Vertraulichkeit eine Rolle. Nur 15 % geben an, dass sie sich wohl dabei fühlen würden, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die größten Hindernisse, die Männer davon abhalten, psychische Probleme am Arbeitsplatz anzusprechen oder Unterstützung zu suchen, sind:

  • Der Wunsch, allein damit fertigzuwerden: 35 %
  • Angst vor Verurteilung oder Stigmatisierung: 34 %
  • Angst vor beruflichen Nachteilen, wenn sie offen darüber sprechen: 32 %
  • Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Vertraulichkeit: 30 %
  • Mangelndes Vertrauen in die Führungskraft: 20 %

Was das bedeutet: Unterstützungsangebote bereitzustellen, ist nur ein Teil der Lösung. Männer müssen sich auch sicher fühlen, Hilfe in Anspruch nehmen zu können, ohne ihren beruflichen Ruf, ihre Privatsphäre oder ihre Karrierechancen zu gefährden.

Welche Veränderungen am Arbeitsplatz wünschen sich Männer am meisten?

Die Männer nannten auch konkrete Veränderungen am Arbeitsplatz, die ihre psychische Gesundheit am stärksten verbessern würden:

  • Flexiblere Arbeitsmodelle: 33 %
  • Bewältigbarere Arbeitsbelastung: 31 %
  • Zusätzliche bezahlte freie Tage für die psychische Gesundheit: 28 %
  • Bezahlbare und vertrauliche Angebote zur Unterstützung der psychischen Gesundheit: 20 %

Was das bedeutet: Flexible Arbeitsmodelle, eine bewältigbare Arbeitsbelastung, zusätzliche freie Tage für die psychische Gesundheit und leicht zugängliche Unterstützungsangebote sind wichtige erste Schritte, um die Arbeitskultur zu verbessern und verlässliche Hilfsstrukturen für Männer mit psychischen Belastungen zu schaffen.

Der heutige Arbeitsalltag kann für Männer, die unter Stress, Ängsten oder anderen psychischen Problemen leiden, eine zusätzliche Belastung darstellen. Umso wichtiger ist es, Stigmatisierung und überholte Vorstellungen abzubauen, die Männer dazu bringen, ihre Probleme still mit sich selbst auszumachen. Sie müssen sich sicher fühlen können, offen über ihre Belastungen und Herausforderungen zu sprechen.

Für Presseanfrage wenden Sie sich an Dorota Urban, Outreach Marketing Managerin, unter dorota.urban@bold.com.

Methodik

Die in diesem Bericht vorgestellten Ergebnisse basieren auf einer landesweit repräsentativen Umfrage, die LiveCareer am 15. September 2026 mithilfe von Pollfish durchgeführt hat. Befragt wurden 700 derzeit berufstätige Männer in den USA zu ihren Erfahrungen mit psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. Sie beantworteten verschiedene Fragetypen, darunter Ja-Nein-Fragen, offene Fragen, Skalenfragen zur Zustimmung zu bestimmten Aussagen sowie Multiple-Choice-Fragen, bei denen sie aus vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auswählen konnten.

Die Teilnehmenden bildeten einen breiten Querschnitt der berufstätigen männlichen Bevölkerung ab. Auch die Altersverteilung war ausgewogen: 23 % waren zwischen 18 und 28 Jahre alt (Generation Z), 28 % zwischen 29 und 44 Jahre (Millennials), 25 % zwischen 45 und 60 Jahre (Generation X) und 24 % zwischen 61 und 79 Jahre (Babyboomer). Alle Teilnehmenden wurden vorab überprüft, um sicherzustellen, dass sie zum Zeitpunkt der Umfrage in den USA lebten und berufstätig waren. Die Datenerhebung erfolgte gemäß den Qualitätskontrollstandards von Pollfish, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse sicherzustellen.