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Jeder fünfte Arbeitnehmer in Europa hat seinen Arbeitsplatz wegen eines schlechten Vorgesetzten gekündigt

Zuletzt aktualisiert am 25. Mai 2026

Denise Hoferichter
Denise HoferichterAutorin, Professional Association of Resume Writers and Career Coaches
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Ein altes Sprichwort besagt: „Menschen verlassen ihre Vorgesetzten, nicht das Unternehmen.“ Auch wenn sich die Dynamik am Arbeitsplatz im Jahr 2026 weiterentwickelt, bleibt die Qualität der Führung ein entscheidender Faktor dafür, ob ein Mitarbeiter bleibt oder das Unternehmen verlässt.

Eine neue Umfrage von LiveCareer unter 1.000 Fachkräften in ganz Europa hat eine sich verschärfende Führungskrise aufgezeigt, die die Teamleistung und die Mitarbeiterbindung zu beeinträchtigen droht. Laut dem „Bad Bosses Report“ wird schlechtes Management nicht mehr als Einzelfall betrachtet, sondern als typische und oft unvermeidbare Realität der modernen Unternehmenslandschaft.

Die Studie hebt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Unternehmenswerten und den täglichen Erfahrungen der Mitarbeiter hervor und zeigt, dass fast jeder fünfte Berufstätige bereits aufgrund von schlechtem Management gekündigt hat. Sie deckt zudem mehrere häufige systemische Mängel auf, darunter die weit verbreitete Normalisierung toxischen Verhaltens, den Schutz von „brillanten Blödmännern“ durch das Unternehmen und eklatante Lücken in der Rechenschaftspflicht.

Wichtigste Ergebnisse

  • Die durch schlechte Vorgesetzte ausgelöste Abwanderungswelle ist echt: 19 % der Beschäftigten haben bereits wegen eines schlechten Vorgesetzten gekündigt, weitere 41 % haben ernsthaft darüber nachgedacht.
  • Toxisches Führungsverhalten ist die Norm: Über drei Viertel (76 %) der Beschäftigten glauben, dass schlechte Vorgesetzte an heutigen Arbeitsplätzen gang und gäbe – oder sogar unvermeidbar – sind.
  • Toxische Führungskräfte „scheitern nach oben“: Fast die Hälfte (48 %) der schlechten Vorgesetzten wird trotz mangelnder Führungsqualitäten befördert oder bleibt ohne Konsequenzen im Amt. Nur 6 % verbessern sich tatsächlich durch Coaching.
  • Toleranz gegenüber brillanten Blödmännern: 66 % der Mitarbeiter glauben, dass Unternehmen einen leistungsstarken, aber toxischen Vorgesetzten wahrscheinlich tolerieren.
  • Die „Open-Door“-Politik versagt: 54 % der Mitarbeiter trauen sich nicht, Probleme an die Personalabteilung weiterzuleiten, da sie dies als riskant oder gefährlich für ihre Karriere ansehen.

Das Paradoxon des guten Managers

Die Grenze zwischen effektiver Führung und toxischem Verhalten kann subjektiv sein und hängt oft vom individuellen Arbeitsstil ab. Es herrscht jedoch weitgehende Einigkeit darüber, dass toxisches Führungsverhalten weit verbreitet ist. Selbst diejenigen, die positive Erfahrungen mit Führungskräften gemacht haben, erkennen, wie häufig schlechte Manager in der Belegschaft anzutreffen sind. 

So bewerten Mitarbeiter die Manager, mit denen sie im Laufe ihrer Karriere zusammengearbeitet haben:

  • Gut – 49 %
  • Gemischt (gleichermaßen gut und schlecht) – 39 %
  • Schlecht – 12 %

Wie häufig Mitarbeiter schlechte Führungskräfte für ein Problem halten:

  • Häufig – 73 %
  • Selten – 24 %
  • Unvermeidbar – 3 %

Das bedeutet: Während fast die Hälfte der Mitarbeiter angibt, im Allgemeinen gute Führungskräfte zu haben, empfindet die große Mehrheit toxische Führung dennoch als weit verbreitetes Problem. Selbst positive persönliche Erfahrungen können die Realität nicht darüber hinwegtäuschen, dass schlechte Chefs als ein sehr häufiges Phänomen am Arbeitsplatz angesehen werden. 

der bad bosses report von livecareer

Toxische Führung in der Praxis

Bei der Betrachtung spezifischer toxischer Eigenschaften schlechter Führungskräfte nannten die Mitarbeiter eher einen Mangel an Integrität als lediglich mangelnde fachliche Kompetenzen. Die Daten zeigen, dass „Wertschätzungs-Diebe“ und Führungskräfte, die Favoriten bevorzugen, unglaublich häufig vorkommen. Zu den Verhaltensweisen, die Mitarbeiter persönlich von einer Führungskraft erlebt haben, gehören:

  • Favoriten bevorzugen – 36 %
  • Sich die Erfolge anderer aneignen – 30 %
  • Erwartungen mitten im Prozess ändern – 26 %
  • Der Verantwortung ausweichen – 20 %%
  • Jedes Detail kontrollieren – 19 %
  • Burnout ignorieren – 19 %
  • Menschen öffentlich demütigen – 18 %
  • Keine Ahnung haben, was sie tun – 18 %
  • Alles mit höchster Dringlichkeit behandeln – 16 %
  • Eine feindselige oder unsichere Atmosphäre schaffen – 15 %

Das bedeutet: Toxisches Management ist größtenteils durch ethisches Versagen gekennzeichnet und nicht durch bloße Inkompetenz. Die Dominanz von Verhaltensweisen wie dem Einheimsen von Lorbeeren und Günstlingswirtschaft deutet darauf hin, dass diese Giftigkeit oft strategisch und nicht zufällig ist. Letztendlich zeigt dies, dass Belohnungssysteme in Organisationen unbeabsichtigt eigennützige Techniken fördern und Führungskräften signalisieren, dass man die Karriereleiter am besten erklimmt, indem man die Teammoral für den persönlichen Vorteil opfert.

6 schlimmste verhaltensweisen toxischer vorgesetzter

Der Schneeball-Effekt auf Teams und Leistung

Schlechtes Management verursacht nicht nur vereinzelte Probleme – es löst eine Kettenreaktion aus, die die Teamdynamik und die Geschäftsergebnisse nach und nach beeinträchtigt. Was als Konflikt im Team beginnt, kann zu Desinteresse, Burnout und schließlich zum Verfehlen von Zielen führen. Zu den Folgen, die am häufigsten mit schlechtem Management in Verbindung gebracht werden, gehören: 

  • Konflikte und Spannungen im Team – 52 %
  • Mitarbeiterabgänge (hohe Fluktuation) – 41 %
  • Schlechte Leistung und verfehlte Ziele – 35 %
  • Verschlechterung der psychischen Gesundheit (Stress/Angst) – 34 %
  • Geringes Vertrauen und geringe psychologische Sicherheit – 33 %
  • Demotivation / „Quiet Quitting“ – 30 %
  • Burnout und Erschöpfung – 27 %
  • Stagnation der Karriere / Stillstand in der persönlichen Entwicklung – 22 %
  • Nichts von alledem – 9 %

Das bedeutet: Ein schlechter Manager kann eine destruktive Kettenreaktion auslösen, bei der anfängliche zwischenmenschliche Konflikte zu hoher Fluktuation, schlechter Leistung und einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit im gesamten Team führen. Dies legt nahe, dass ein Eingreifen beim ersten Anzeichen von Reibungen effektiver ist als der Versuch, das Problem in einem späteren Stadium durch Maßnahmen wie Leistungsmanagement zu beheben.

Schlechte Führungskräfte: Der Hauptgrund für Fluktuation

Daten von LiveCareer zeigen, dass die Qualität der Führung eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung eines Mitarbeiters spielt, das Unternehmen zu verlassen. Auf die Frage, ob sie jemals erwogen hätten, einen Job wegen einer schlechten Führungskraft zu kündigen, antworteten die Befragten: 

  • Ja, ich habe einen Job wegen einer Führungskraft gekündigt – 19 %
  • Ja, ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, zu kündigen – 41 %
  • Nein, ich war frustriert, habe aber nicht daran gedacht, zu kündigen – 20 %
  • Nein, ich habe nie darüber nachgedacht – 20 %

Das bedeutet: Schlechtes Management ist ein enormes Risiko für Unternehmen. Da insgesamt 60 % der Mitarbeiter entweder gekündigt haben oder ernsthaft darüber nachgedacht haben, wegen ihres Vorgesetzten zu kündigen, führt schlechte Führung direkt zu einer hohen Fluktuation. 

Arbeitnehmer halten es für riskant, schlechte Vorgesetzte zu melden

Mehr als die Hälfte der befragten Arbeitnehmer fühlt sich nicht sicher dabei, einen schlechten Vorgesetzten offiziell zu melden oder die Angelegenheit weiterzuleiten. Dies könnte auf eine Arbeitskultur hindeuten, in der viele Arbeitnehmer nach wie vor negative Konsequenzen fürchten, wenn sie ihre Meinung äußern. So sicher fühlen sich Arbeitnehmer, wenn sie einen schlechten Vorgesetzten offiziell melden oder die Angelegenheit weiterleiten:

  • Riskant oder unsicher – 54 %
  • Sicher – 46 %

Das bedeutet: Die Tatsache, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer die Eskalation eines schlechten Vorgesetzten an die Personalabteilung als Karriere-Risiko betrachtet, verdeutlicht einen systemischen Mangel an psychologischer Sicherheit im Umgang mit Führungsproblemen.

Die Lücke in der Rechenschaftspflicht

Trotz des erheblichen Schadens, den schlechte Führungskräfte anrichten, ziehen Unternehmen sie selten zur Rechenschaft. Leistungsstarke, aber toxische Vorgesetzte werden geschützt, und fast die Hälfte (48 %) der schlechten Führungskräfte wird entweder befördert oder bleibt ohne Konsequenzen in ihrer Position. Echte Verbesserungen sind eher die Ausnahme als die Regel – nur 6 % der Befragten geben an, dass schlechte Führungskräfte ihr Verhalten durch Coaching oder Schulungen ändern.

Das passiert am häufigsten mit schlechten Führungskräften am Arbeitsplatz:

  • Sie werden trotzdem befördert – 26 %
  • Sie werden in eine andere Position versetzt – 22 %
  • Es ändert sich nichts, sie bleiben an ihrem Platz – 22 %
  • Sie verlassen das Unternehmen schließlich von sich aus – 15 %
  • Sie werden entlassen – 9 %
  • Sie verbessern sich (durch Coaching / Schulungen / Verwarnungen) – 6 %

Die Befragten wurden auch gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein leistungsstarker, aber toxischer Manager am Arbeitsplatz toleriert wird. Die Ergebnisse zeigen:

  • Wahrscheinlich – 66 %
  • Unwahrscheinlich – 34 %

Das bedeutet: Am Arbeitsplatz wird toxisches Führungsverhalten oft geduldet, insbesondere wenn der Manager Ergebnisse liefert. Da die überwiegende Mehrheit der schlechten Manager einfach befördert oder ignoriert wird, ist echte Rechenschaftspflicht äußerst selten. 

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass schlechte Führungskräfte an heutigen Arbeitsplätzen nach wie vor weit verbreitet sind. Da Unternehmen toxisches Verhalten häufig tolerieren, verlassen viele Mitarbeiter letztendlich das Unternehmen, um ihr Wohlbefinden und ihre Karriere zu schützen.

Anstatt gerügt zu werden, steigen schlechte Führungskräfte oft weiter auf, ohne Konsequenzen tragen zu müssen. Wie die Daten zeigen, werden Teamkonflikte und hohe Fluktuation so lange bestehen bleiben, bis Unternehmen aufhören, sie zu schützen, und stattdessen der Rechenschaftspflicht Vorrang einräumen. Letztendlich kann das Ignorieren von schlechtem Management direkt zum Verlust wertvoller Talente führen.

Methodik

Die im „Bad Bosses Report“ vorgestellten Ergebnisse basieren auf einer von LiveCareer im März 2026 durchgeführten Umfrage, bei der Antworten von 1.000 Berufstätigen aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien gesammelt wurden. Die Befragten beantworteten eine Mischung aus Fragen mit Single- und Multiple Choice zu ihren Erfahrungen mit Führungskräften, den Folgen toxischer Führung und ihrer Wahrnehmung von Verantwortlichkeit am Arbeitsplatz. 

Über LiveCareer

Der Lebenslauf-Generator von LiveCareer hat seit 2015 bereits 10 Millionen Bewerbern in verschiedenen Phasen ihrer Karriere geholfen. Er enthält moderne Vorlagen für Lebensläufe und Anschreiben sowie intelligente Tipps, mit denen Sie Ihr Dokument ganz einfach an die Stellenanzeige anpassen können. LiveCareer bietet nicht nur einen Lebenslauf-Generator, sondern auch einen kostenlosen Blog mit Tipps von Karriereexperten. Die Karriereberatung von LiveCareer wurde unter anderem in bekannten Medien wie Business Insider, Yahoo, und Computerwoche veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Facebook und LinkedIn.

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Kategorie: Bewerbung

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Über den Autor

Denise Hoferichter

Denise Hoferichter

Denise Hoferichter ist Karriereexpertin und Mitglied der Professional Association of Resume Writers & Career Coaches. Auf dem Blog LiveCareer.de schreibt sie Ratgeberartikel zu den Themen Jobsuche, Vorstellungsgespräche sowie zur Erstellung erfolgreicher Lebensläufe und Karrierestrategien für Fachleute aus verschiedenen Branchen. Sie ist auch Autorin der Tipps und Beispiele im LiveCareer-Lebenslauf-Generator. Denise hat einen Masterabschluss in Sprachwissenschaft und hilft Arbeitssuchenden seit Jahren dabei, ihre Qualifikationen effektiv zu präsentieren und ihre beruflichen Ziele zu erreichen.

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